|
Tosso Leeb, Ute Philipp, Bertram Brenig
Ein neuer Gentest für die Farbverdünnung bei Pinschern ist verfügbar
In der Vergangenheit wurde in PuS bereits mehrfach über die Thematik der blauen
Pinscher berichtet. In den letzten vier Jahren wurde hierzu von Prof. Dr. Tosso Leeb
und Dr. Ute Philipp von der Tierärztlichen Hochschule Hannover ein umfangreiches
Forschungsprojekt durchgeführt. Mit Hilfe der Ergebnisse dieses Forschungsprojekts
ist es nun gelungen, einen Gentest zu entwickeln, mit dem die genetische Anlage
für die Farbverdünnung mit hoher Sicherheit nachgewiesen werden kann.
Das Gen für die Farbverdünnung (englisch: dilute) steuert die Intensität der Fellfarbe.
Es kommt in zwei Ausprägungen (Allelen) bei Pinschern vor. Das Wildtyp-Allel
für eine normale Farbausprägung wird mit dem Symbol D bezeichnet, während das
Allel für die verdünnte Farbausprägung mit dem Symbol d bezeichnet wird. Jeder
Hund besitzt zwei Kopien dieses Gens, wovon jeweils eine Kopie vom Vater und
eine Kopie von der Mutter vererbt werden. Für die Beschreibung des Genotyps eines
Hundes werden die beiden Allele aufgelistet. Im Falle des Gens für die Farbverdünnung
existieren also die drei verschiedenen Genotypen DD, Dd, und dd. Das Farbverdünnungs-
Allel d ist rezessiv gegenüber daß nur Tiere mit dem Genotyp dd tatsächlich
die verdünnte Fellfarbe aufweisen, welche den unerwünschten Farbschlägen
blau bzw. isabell entsprechen. Pinscher mit den Genotypen DD oder Dd können
rein äußerlich nicht voneinander unterschieden werden und weisen eine normal
intensive Fellfarbe auf (schwarz-rot, braun-rot, rot). Tiere mit dem Genotyp Dd
werden als Anlageträger für die Farbverdünnung bezeichnet und ihr Einsatz ist in
der Zucht nicht ganz unproblematisch, denn bei einer Anpaarung von zwei Anlageträgern
(Dd x Dd), sind gemäß den Mendelschen Regeln 25 % blaue oder isabellfarbene
Nachkommen zu erwarten.
Bisher konnten Anlageträger für die Farbverdünnung nur dann sicher identifiziert
werden, wenn sie blaue oder isabellfarbene Nachkommen hatten, wenn also der
Schaden für die Züchter bereits entstanden war. Mit Hilfe des neuen Gentests ist
es möglich, Hunde bereits kurz nach der Geburt untersuchen zu lassen und den
Genotyp in Bezug auf die Farbverdünnung feststellen zu lassen. Bei der Untersuchung
wird zunächst die DNA eines Hundes aus einer Blutprobe isoliert. In den
DNA-Proben werden dann zwei kurze Abschnitte aus dem Gen für die Farbverdünnung
stark vermehrt und auf ihre Basenabfolge untersucht. Dabei treten bestimmte
Basenkombinationen immer nur bei Farbverdünnungs- Allelen auf, während andere
Basenkombinationen bei Wildtyp-Allelen auftreten. Die untersuchten DNA-Positionen
sind dabei nicht ursächlich verantwortlich für die Farbverdünnung, sondern
sie dienen nur als so genannte gekoppelte Marker für die Farbverdünnung. Da die ursächliche
Mutation für die Farbverdünnung bislang noch nicht bekannt ist, muß
davon ausgegangen werden, daß der Test nicht mit absoluter Sicherheit das richtige
Ergebnis liefert. Im Rahmen der bisherigen Forschungen lieferte der Test jedoch
bei 140 untersuchten Dobermann Pinschern und bei 143 untersuchten Deutschen
Pinschern kein einziges offensichtlich falsches Ergebnis, so daß von einer
sehr hohen Testsicherheit ausgegangen werden kann.
Sollte ein Hund durch den Gentest als Anlageträger für die Farbverdünnung identifiziert
worden sein, so bedeutet dies keinesfalls einen unbedingten Ausschluß von
der Zucht. Es sollte bei bekannten Anlageträgern für die Farbverdünnung allerdings
besonders darauf geachtet werden, daß solche Hunde nur mit reinerbigen DD Tieren
angepaart werden, da aus solchen Anpaarungen keine blauen oder isabellfarbenen
Welpen geboren werden können.
Der Gentest für die Farbverdünnung ist mittlerweile zum Patent angemeldet worden.
Die Untersuchung wird durch das Tierärztliche Institut der Universität Göttingen
angeboten. Für die gendiagnostische Untersuchung auf „dilute“ werden
entweder 2-3 ml Blut (EDTA-Blut), alternativ mindestens 30 Haare oder ein ungefähr
erbsengroßes Stückchen Gewebe benötigt. Wird für die Untersuchung Blut
verwendet, sollte dies nicht-geronnenes Vollblut sein, welches mit EDTA (oder
Citrat) stabilisiert wurde. Nach der Blutentnahme sollten die Blutröhrchen vorsichtig
1 bis 2 Minuten geschwenkt werden, damit sich der Gerinnungshemmer
gleichmäßig mit der Blutprobe mischt. Die Blutröhrchen sollten eindeutig beschriftet
sein, so daß es nicht zu Verwechslungen kommen kann.
Eine andere einfache Methode für die Untersuchung ist die Verwendung von Haaren.
Dabei sollten mindestens 30 frisch gezupfte Haare mit Wurzel versandt werden.
Bei der Entnahme der Haare sollte keine Schere verwendet werden, da sonst die
Haarwurzeln fehlen. Die ausgezupften Haare können unproblematisch in eine
kleine Plastiktüte (z.B. Gefrierbeutel) oder einen Briefumschlag verbracht werden.
Bei der Entnahme einer Probe für die Untersuchung sollten folgende Hinweise beachtet
werden: Für die Probenentnahme sollten wenn möglich Einmal-Handschuhe verwendet
werden
Alternativ sollten vor der Probenentnahme die Hände gründlich gewaschen
werden. Werden Proben von mehreren Tieren gesammelt, sollte dies vor jeder
Entnahme wiederholt werden. Um eine Verunreinigung zu vermeiden, beenden
Sie jeweils die Probenentnahme an einem Tier, bevor Sie mit der Entnahme
an weiteren Tieren beginnen.
Bei der Entnahme von Haarproben sollten die Haarwurzeln nicht berührt werden
Verpacken Sie jede Haar- oder Gewebe- Probe einzeln in einem Gefrierbeutel
oder Briefumschlag, notfalls auch in einer Alufolie und beschriften Sie die
Proben eindeutig.
Eine Berührung der einzelnen Proben untereinander sollte auf jeden Fall verhindert
werden.
Füllen Sie das Antragsformular (http://www.tieraerztliches-institut.
uni-goettingen.de, Inhaltsverzeichnis „Molekulare Diagnostik“
(Punkt 5) anklicken, Antragsformulare „dilute“-Färbung) mit allen notwendigen
Angaben bitte sorgfältig aus und schicken es zusammen mit den Proben
an das Tierärztliche Institut, z. Hd. M. Scharfenstein, Groner Landstraße 2,
37073 Göttingen. Der Preis für eine Einzeluntersuchung beträgt 68,97 Euro
zzgl. MwSt und Porto. Lesen Sie hierzu im PuS November 2005
die Info zu diversen Pressemitteilungen.
Anschriften der Autoren:
Prof. Dr. Tosso Leeb und
Dr. Ute Philipp
Institut für Tierzucht und
Vererbungsforschung
Tierärztliche Hochschule Hannover
Bünteweg 17p
30559 Hannover
Prof. Dr. Bertram Brenig
Tierärztliches Institut
Universität Göttingen
Groner Landstr. 2
37073 Göttingen
Pinscher+Schnauzer Oktober 2005
Anmerkungen und Ergänzungen zum Gentest-Artikel
Zunächst danke ich Herrn Prof. Dr. Leeb für diesen Beitrag, den
er auf meine Bitte hin für uns DP-Züchter geschrieben hat.
In Absprache mit ihm möchte ich zu diesem Artikel folgendes
ergänzen:
1. Die inhaltliche Aussage bezieht sich auf den Deutschen
Pinscher und den Dobermann.
2. Die Dobermannzüchterin Frau Schindler, Zwinger vom
Ländtor, hat uns in einzigartiger Weise durch ihr ganz persönliches
Engagement bei diesem Forschungsprojekt unterstützt
und innerhalb von 2 Monaten nach unserer Züchtertagung
2003 ca. 100-110 Blutproben aus ihrem züchterischen
Umfeld besorgt.
Die Farbzeichnung „braun-rot“ bezieht sich allein auf den
Dobermann.
3. Prof. Dr. Leeb ist bereit und bietet uns an, den Gentest auch
auf Zwergpinscher auszuweiten. Nach seiner jetzigen
Grundlagenforschung wäre dies in kürzester Zeit (~ 14 Tage)
möglich, wenn genügend Blutproben zur Verfügung gestellt
würden. Mir persönlich ist es unbekannt, ob es heute noch
Fehlfarben beim Zwergpinscher gibt. Nach Aussage von
Egon Großekatthöfer, der seit ca. 1970 ZP züchtet, hatte
man bis zu den 80er Jahren diese Problematik auch in der
deutschen Zucht, danach nicht mehr. Vielleicht ist später
über Fehlfarben geschwiegen worden? Vielleicht gibt es sie
noch in anderen Ländern? Es ist sehr unwahrscheinlich, daß
man das rezessive Verdünnungsgen durch phänotypische
Selektion ausmerzen konnte. Ich meine, die Züchter und
Halter von ZP sollten diese einmalige Chance nutzen.
4. Auf unserer 10. Züchtertagung für Deutsche-Pinscher-
Züchter am 8./9. Oktober 2005 in München sollten wir
versuchen, ein Konzept zu erarbeiten, wie wir demnächst
mit dem Gentest umgehen wollen, um größtmöglichen
züchterischen Nutzen davon zu haben. Ich werde dazu
einen Vorschlag zur Diskussion stellen. Leider wird die HZB
nicht anwesend sein.
5. Alle Züchter und Halter von Deutschen Pinschern, die sich
mit Blut- bzw. Haarproben am Gentest beteiligt haben und
deren Proben bis Februar 2005 in die Studien eingingen, er-
halten das Ergebnis ihrer Hunde kostenlos. Es freut mich
ganz besonders, daß deren Teilnahme auf diese Weise auch
noch eine „Belohnung“ erfährt. Ein Teil der Proben von
standardfarbenen Hunden, in deren Familien keine Fehlfarben
vorgekommen sind, wurden nicht untersucht und
entsprechend liegen dann auch keine Ergebnisse vor.
6. Leider hat Prof. Dr. Leeb Ende August die TiHo Hannover
verlassen und eine Professur in der Schweiz angenommen.
Das bedeutet aber nicht das Ende unserer Zusammenarbeit.
Seine neue Adresse lautet:
Prof. Dr. Tosso Leeb, Institut für Genetik Vetsuisse-Fakultät,
Universität Bern, Bremgartenstr. 109a, 3012 Bern, Schweiz.
Wir wünschen ihm für seine Arbeit in der Schweiz und für
seinen weiteren beruflichen Werdegang auf jeden Fall viel
Erfolg und alles Gute.
Frau Dr. Philipp, die engste Mitarbeiterin von Prof. Dr. Leeb
bei unserem Gentest, bleibt uns in Hannover erhalten. Sie
hat seit 2001 die Laborarbeit für unseren Gentest in maßgeblicher
Weise getragen.
Wir Deutsche-Pinscher-Züchter und der PSK sind Prof. Dr. Leeb
und Frau Dr. Philipp zu großem Dank verpflichtet. Es ist meines
Wissens das erste abgeschlossene Genforschungsprojekt für
unsere Rassen und wird sicher in der Geschichte des PSK einen
gebührenden Platz einnehmen.
Siegfried Menzel,
Werther, Tel. 0 52 03 -62 58, Fax 0 52 03 -88 25 07
|